Ein Triptychon des menschlichen Daseins von Marc von Henning.
Drei Menschen am Rand der Schöpfung: Ein blinder Bibliothekar, der alle Bücher auswendig kennt, außer diesem einem, einmaligen, das ihm unerwartet in die Hände fällt. Eine garstige Regisseurin, die in ihrer Kritik nach der Generalprobe alle um sie herum niedermacht – dabei aber eigentlich nur ihre eigene Zerrissenheit offenbart. Ein Mann, dessen Tage gezählt sind und der zu allem bereit ist – bereit, jeden Tag so zu leben, als wäre er sein letzter.
Unruhe am Rand der Schöpfung bringt ein Triptychon des menschlichen Daseins auf die Bühne. Aus Texten, die zu verschiedenen Zeiten seines Schaffens entstanden sind, hat Marc von Henning drei voneinander unabhängigen Stücke geschrieben. Was sie verbindet? Die Sehnsucht der Figuren nach etwas Greifbarem, an dem sie sich festhalten können und das ihrem Leben einen Sinn verleiht – was auch immer das sein mag. Ihre Suche spiegelt das zutiefst menschliches Bedürfnis wider, das Echte und Unverfälschte zu finden, die eigene Existenz als sinnhaft zu erleben. Durch diese Resonanz mit den Wünschen, Hoffnungen und Sehnsüchten des Publikums bekommt der Abend eine ganz eigene, besondere Schönheit.
Die Figuren im ersten und dritten Teil haben sich beide Entwürfe ihres Lebens gebaut, die sie sowohl schützen als auch gefangen halten. Der blinde Bibliothekar glaubt, er habe die Welt in seinen Büchern gefunden und eingefangen. Umgeben von unendlichen Bücherstapeln fristet er ein Dasein zwischen den papierenen Worten, deren Inhalt er erfühlen und erschmecken kann. Ein unerwarteter Besuch durchbricht die verstaubte Melancholie seiner Welt mit dem einzigen Buch, das er nicht kennt: dem Buch der unendlichen Seiten, das weder Anfang hat noch Ende und ihn in ungeahnte Sphären entführt. Doch was soll er nun damit anfangen?
Der Sterbende im dritten Abschnitt des Abends sucht jemanden, dem er sein großes Geheimnis verraten kann: er hat nur noch 90 Tage zu leben. Er trägt sein Wissen wie eine neue Brille, durch die er plötzlich alles anders sieht. Diese neue Brille lässt ihn das Leben schärfer sehen, intensiver erleben. Doch er ist nicht in der Lage, sich seinem Umfeld mitzuteilen – und er bleibt allein.
Als Scharnier wird in der Mitte die Geschichte einer Regisseurin erzählt, die das Theater als den einzigen Ort begreift, an dem echte Menschen noch einmal wirklich atmen dürfen. Auszudrücken vermag sie dies jedoch nicht: nach der Generalprobe stürmt sie wie eine gnadenlose Chirurgin, die keine Betäubung verwendet, durch das Ensemble und zerstört dabei alles – vor allem sich selbst.
Alle drei Figuren fordern die Wahrheit ein. Die Regisseurin laut und scharf. Die anderen beiden leise und zart, poetisch und allein.
Unruhe am Rand der Schöpfung – der Titel legt nahe, worum es dem Autor und Regisseur in seiner Inszenierung geht: Dass die wichtigen Sachen im Leben oft gar nicht im Zentrum der Dinge geschehen. Dass wir uns oft so vorkommen, als würden wir am Rand stehen, nicht sicher sind, ob wir dazugehören. Dass es an irgendetwas fehlt. Und uns das unruhig macht.
Die Inszenierung nimmt das Publikum mit in einen außergewöhnlichen, poetischen Erzählraum, der tiefsinnig und nachdenklich stimmt, aber auch zynisch und sarkastisch auf das Menschsein blickt. Haben wir nicht alle mal etwas verloren, das wir vielleicht nie wieder finden werden? Der Abend fragt nicht, was das war. Er fragt nur, ob wir noch auf der Suche danach sind.
Die drei Abschnitte des Abends
I. DER BLINDE BIBLIOTHEKAR
„Der Geschmack des Apfels ist weder im Inneren des Apfels selbst, noch im Mund des Essers. Es braucht die Begegnung zwischen den beiden. So ist es mit dem Buch.”
Jorge Luis Borges
II. DIE KRITIK
„Er hat beschrieben, was er ahnte, nicht geschrieben, was er wusste.”
Die Regisseurin über Shakespeare
III. 90 TAGE
„Es kommt mir morgens schon mal vor, als würde mein Leben erst jetzt anfangen, dabei habe ich doch mehr als die Hälfte längst hinter mir.”
Der Sterbende
Marc von Henning über seine Inszenierung und seine Arbeit:
„Wir haben alle mal was verloren, das wir wohl nie wieder finden werden.”
„Ich mache kein politisches Theater, würde ich sagen. Was ich versuche ist, dem einzelnen Menschen auf der Bühne so nah zu kommen, dass das Große, das Draußen, das Beängstigende, plötzlich durch ihn hindurchscheint. Ohne dass man es benennen muss.“
Copyright Text & Bild: Shakespeare Company
Ein Triptychon des menschlichen Daseins von Marc von Henning.
Drei Menschen am Rand der Schöpfung: Ein blinder Bibliothekar, der alle Bücher auswendig kennt, außer diesem einem, einmaligen, das ihm unerwartet in die Hände fällt. Eine garstige Regisseurin, die in ihrer Kritik nach der Generalprobe alle um sie herum niedermacht – dabei aber eigentlich nur ihre eigene Zerrissenheit offenbart. Ein Mann, dessen Tage gezählt sind und der zu allem bereit ist – bereit, jeden Tag so zu leben, als wäre er sein letzter.
Unruhe am Rand der Schöpfung bringt ein Triptychon des menschlichen Daseins auf die Bühne. Aus Texten, die zu verschiedenen Zeiten seines Schaffens entstanden sind, hat Marc von Henning drei voneinander unabhängigen Stücke geschrieben. Was sie verbindet? Die Sehnsucht der Figuren nach etwas Greifbarem, an dem sie sich festhalten können und das ihrem Leben einen Sinn verleiht – was auch immer das sein mag. Ihre Suche spiegelt das zutiefst menschliches Bedürfnis wider, das Echte und Unverfälschte zu finden, die eigene Existenz als sinnhaft zu erleben. Durch diese Resonanz mit den Wünschen, Hoffnungen und Sehnsüchten des Publikums bekommt der Abend eine ganz eigene, besondere Schönheit.
Die Figuren im ersten und dritten Teil haben sich beide Entwürfe ihres Lebens gebaut, die sie sowohl schützen als auch gefangen halten. Der blinde Bibliothekar glaubt, er habe die Welt in seinen Büchern gefunden und eingefangen. Umgeben von unendlichen Bücherstapeln fristet er ein Dasein zwischen den papierenen Worten, deren Inhalt er erfühlen und erschmecken kann. Ein unerwarteter Besuch durchbricht die verstaubte Melancholie seiner Welt mit dem einzigen Buch, das er nicht kennt: dem Buch der unendlichen Seiten, das weder Anfang hat noch Ende und ihn in ungeahnte Sphären entführt. Doch was soll er nun damit anfangen?
Der Sterbende im dritten Abschnitt des Abends sucht jemanden, dem er sein großes Geheimnis verraten kann: er hat nur noch 90 Tage zu leben. Er trägt sein Wissen wie eine neue Brille, durch die er plötzlich alles anders sieht. Diese neue Brille lässt ihn das Leben schärfer sehen, intensiver erleben. Doch er ist nicht in der Lage, sich seinem Umfeld mitzuteilen – und er bleibt allein.
Als Scharnier wird in der Mitte die Geschichte einer Regisseurin erzählt, die das Theater als den einzigen Ort begreift, an dem echte Menschen noch einmal wirklich atmen dürfen. Auszudrücken vermag sie dies jedoch nicht: nach der Generalprobe stürmt sie wie eine gnadenlose Chirurgin, die keine Betäubung verwendet, durch das Ensemble und zerstört dabei alles – vor allem sich selbst.
Alle drei Figuren fordern die Wahrheit ein. Die Regisseurin laut und scharf. Die anderen beiden leise und zart, poetisch und allein.
Unruhe am Rand der Schöpfung – der Titel legt nahe, worum es dem Autor und Regisseur in seiner Inszenierung geht: Dass die wichtigen Sachen im Leben oft gar nicht im Zentrum der Dinge geschehen. Dass wir uns oft so vorkommen, als würden wir am Rand stehen, nicht sicher sind, ob wir dazugehören. Dass es an irgendetwas fehlt. Und uns das unruhig macht.
Die Inszenierung nimmt das Publikum mit in einen außergewöhnlichen, poetischen Erzählraum, der tiefsinnig und nachdenklich stimmt, aber auch zynisch und sarkastisch auf das Menschsein blickt. Haben wir nicht alle mal etwas verloren, das wir vielleicht nie wieder finden werden? Der Abend fragt nicht, was das war. Er fragt nur, ob wir noch auf der Suche danach sind.
Die drei Abschnitte des Abends
I. DER BLINDE BIBLIOTHEKAR
„Der Geschmack des Apfels ist weder im Inneren des Apfels selbst, noch im Mund des Essers. Es braucht die Begegnung zwischen den beiden. So ist es mit dem Buch.”
Jorge Luis Borges
II. DIE KRITIK
„Er hat beschrieben, was er ahnte, nicht geschrieben, was er wusste.”
Die Regisseurin über Shakespeare
III. 90 TAGE
„Es kommt mir morgens schon mal vor, als würde mein Leben erst jetzt anfangen, dabei habe ich doch mehr als die Hälfte längst hinter mir.”
Der Sterbende
Marc von Henning über seine Inszenierung und seine Arbeit:
„Wir haben alle mal was verloren, das wir wohl nie wieder finden werden.”
„Ich mache kein politisches Theater, würde ich sagen. Was ich versuche ist, dem einzelnen Menschen auf der Bühne so nah zu kommen, dass das Große, das Draußen, das Beängstigende, plötzlich durch ihn hindurchscheint. Ohne dass man es benennen muss.“
Copyright Text & Bild: Shakespeare Company
Details
Veranstaltungsort
Bremen, 28199 Google Karte anzeigen
Veranstalter
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